Ansteckung mit Karies

Die Tatsache, dass karieserregende Keime nicht von Geburt an in der menschlichen Mundhöhle vorkommen, sondern erst nach dem Durchbruch des ersten Zahnes nachweisbar sind, also nachträglich hineingelangen, legt nahe, die Karies als eine Art „Infektionserkrankung“ anzusehen. Im klassischen Sinne ist eine Infektion definiert als Übertragung, Haften bleiben oder Eindringen von Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilzen, Würmern oder Einzellern) in einen Makroorganismus (Mensch, Tier oder Pflanze). Dort rufen die Erreger, je nachdem, welche Eigenschaften bei ihnen besonders ausgeprägt sind, immer ein typisches Krankheitsbild hervor, dessen Ausprägung unterschiedlich schwer sein kann.

Betrachtet man die Kariesentstehung gemäß dieser „Grundvoraussetzung“ an eine Infektionserkrankung, so muss sie als Sonderfall angesehen werden. Denn: Aufgrund des geringen Krankheitspotentials von Streptokokkus mutans, dem Haupterreger der Karies, kann es sein, dass ein Mensch diesen Keim in seiner Mundhöhle hat, aber keine Karies! Genauer betrachtet ist Streptokokkus mutans also zwar eine Grundvoraussetzung für die Kariesentstehung, führt aber nicht zwangsläufig zur Zerstörung von Zahnsubstanz (was in der Definition der Infektionserkrankungen aber als „typisches Krankheitsbild“ gefordert ist). Man kann ihn also als „bedingt karieserregend“ bezeichnen, seine schädigende Wirkung kommt erst zustande, wenn sich der Mensch verstärkt bestimmte Kohlenhydrate zuführt, die Streptokokkus mutans verwerten kann.

Somit ist die Karies also eigentlich als eine ernährungsbedingte Erkrankung anzusehen, sozusagen als „Zivilisationskrankheit“, die vermeidbar ist. Maßnahmen zum Schutz vor der Übertragung auf einen anderen Menschen sind der aller erste Ansatz Vermeidung der Krankheit.

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