Prophylaxekonzept

Es ist für alle Praxismitarbeiter selbstverständlich, sich regelmäßig fortzubilden und Ihnen dadurch beratend zur Verfügung zu stehen. Die zahnmedizinische Forschung tritt nicht auf der Stelle und so ist es notwendig, immer wieder Behandlungsformen zu überdenken und weiter zu entwickeln. Wie in allen anderen Bereichen des Lebens erzeugt die Neueinführung bestimmter Dinge Widerstände, die überwunden werden müssen.

Der eigentliche Praxisschwerpunkt besteht für uns in der ständigen Weiterentwicklung unseres bewährten Prophylaxeangebotes. Es soll helfen, den ewigen Kreislauf zwischen Karies- bzw. Parodontitisentstehung, evtl. Schmerzen und einer anschließenden „Reparatur“ zu durchbrechen, da – auch wenn wir uns noch so viel Mühe geben – nichts so wiederhergestellt werden kann, wie es von der Natur einmal geschaffen worden war. Die Betonung liegt hierbei auf der Individualität und der „Biologie“ des einzelnen Patienten, die für unterschiedliche Menschen oft auch sehr unterschiedliche Maßnahmen erforderlich macht.

A propos Biologie: Sie können in unserer Praxis zu verschiedenen zahnmedizinischen „Randbereichen“ Informationen erhalten. Exemplarisch seien hier genannt: Beratungen zu Schwangerschaft und Zähnen, spezielle Vorbeugung für Kinder im Vorschulalter, Beratung zur biologischen Verträglichkeit von Dentalmaterialien, individuelle Bestimmung von Karies- und Parodontitisrisiko, Raucherentwöhnungsprogramme, Mundgeruchsprechstunde, Beurteilung des Einflusses verschiedener Medikamente und deren Kombinationen auf Speichelfluss und Mundgesundheit (besonders für ältere Patienten, auch in Verbindung mit speziellen Prothesenreinigungsmethoden) usw..

Eine der wissenschaftlich anerkannten Grundvoraussetzungen für den prophylaktischen Erfolg liegt in der regelmäßigen professionellen zahnärztlichen Betreuung, sprich in unserer Praxis. Je nach Bedarf sollten für jeden einzelnen von Ihnen in einer immer wieder neu festzulegenden Regelmäßigkeit eine Beurteilung zur Mundgesundheit, eine Abwägung der erforderlichen Vorbeugemaßnahmen und deren Durchführung erfolgen. Selbstverständlich entscheiden sie als Patient, ob Sie dies tatsächlich in Anspruch nehmen möchten. Wir können Ihnen aber gerne anbieten, Sie immer wieder nach Ablauf einer vereinbarten Zeitspanne telefonisch an den nächsten Termin zu erinnern. Unsere Praxismitarbeiter werden Sie darauf auch ansprechen (Recall-Programm).

Einige Vorbeugemaßnahmen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. Lassen Sie sich in aller Ruhe von uns hierzu informieren und entscheiden Sie dann selbst, ob das eine oder andere für Sie in Frage kommt. Niemand wird Ihnen übel nehmen, wenn Sie sich gegen eine angebotene Behandlung entscheiden.

Mit der Einführung des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) mit Beginn des Jahres 2004 wurde neben Veränderungen im Leistungsspektrum der Krankenkassen auch Vorgaben gesetzlich aufgenommen, die die Patienten in Richtung einer verstärkten Eigenverantwortung führen sollen. Dies bedeutet, dass langfristig die Krankenkassen bestimmte Behandlungen nur noch bezuschussen sollen, wenn der Patient / die Patientin eine aktive Mitwirkung an seiner Gesunderhaltung erkennen lässt.

Die Vermeidung der Entstehung von Erkrankungen (Prophylaxe) auch für Zähne ist natürlich vom Ansatz vernünftig. Im Prinzip ist sie auch der einzige Ausweg aus den uns seit Jahrzehnten Bemühungen um die „Reparatur“ defekter Zähne, die bekannter Massen zum Teil sehr kostenintensiv sind. Problem: jede solche Änderung setzt ein teilweises Umdenken voraus.

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einige Gründe nennen, die aus fachlicher Sicht des Zahnarztes den Sinn der gesetzlich geforderten Eigenverantwortung auch belegen. Vielleicht gelingt es damit auch, sie zu einem verstärkten prophylaktischen Vorgehen zu bewegen (soweit es für Sie nicht schon selbstverständlich ist).

Prophylaxe dient der Vermeidung von Schäden. Dies kann sowohl den völlig gesunden Patienten betreffen, der noch gar keine Anzeichen einer Erkrankung erkennen lässt. Wir nennen dies Primärprophylaxe. Hier ein paar Beispiele: auf dem zahnärztlichen Sektor gehören zur Primärprophylaxe beispielsweise die Ihnen bekannten Beratungen zur Mundhygiene, daneben alle Fluoridierungsmaßnahmen, die der Verbesserung der Zahnhartsubstanzen dienen, aber auch die Bestimmung Ihres individuellen Parodontitis- und Kariesrisikos, das uns helfen kann, bei Fehlentwicklungen sehr früh gegen zu steuern. Außerdem beinhaltet sie die Vermittlung von Informationen zur Infektiosität (Ansteckungsgefahr) mit karieserregenden Keimen (vielen Patienten ist nicht bekannt, dass man sich im Laufe des Lebens erst mit Karieserregern infiziert).

Was wir als Sekundärprophylaxe bezeichnen ist die frühzeitige Erkennung von sich bereits anbahnenden Schäden (Erkrankungen) und deren Behandlung. Dabei ist ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, dass in unser biologisches System nur möglichst geringfügig eingegriffen wird.

Nicht zuletzt ist auch eine Aufgabe der Prophylaxe (Tertiärprophylaxe) die Erhaltung des Zustandes, der nach einer Behandlung der Erkrankung eingetreten ist. Auf dem zahnärztlichen Gebiet bedeutet dies zum Beispiel die Durchführung von Maßnahmen, die dem Erhalt von Füllungen, Kronen, korrigierten Zahnstellungen, aber auch – und das wird vielfach in seiner Bedeutung unterschätzt – des Zahnfleisches, des Zahnhalteapparates und des Kieferknochens dienen.

Summa summarum: es ist zu keinem Zeitpunkt davon auszugehen, dass es für den Beginn prophylaktischer Maßnahmen sowieso schon zu spät sei (weil schon Defekte vorliegen), oder aber – weil noch nie etwas gewesen ist – wahrscheinlich nichts passieren könnte und man deshalb auf die Prophylaxe verzichtet.

Zahnbezogene Prophylaxe sollte natürlich durch den Patienten selbst („häusliche Prophylaxe“), aber immer in Verbindung mit einer Vorbeugung in einer Zahnarztpraxis („professionelle Prophylaxe“) erfolgen. Dafür gibt es sehr viele Gründe:

1. Zähneputzen alleine gewährleistet noch keine Mundgesundheit, denn im Mund sind neben den Zähnen ja auch noch andere wichtige Organe. Und: kariesfreie Zähne bedeuten nicht gleichzeitig Mundgesundheit, denn es gibt Patienten, die zwar keine Karies hatten, aber aus anderen (evtl. vermeidbaren) Gründen ihre Zähne verloren haben. Die professionelle Prophylaxe ist die Ergänzung der häuslichen Prophylaxe.

2. Verschiedene Lebensabschnitte sind gekennzeichnet durch unterschiedlichen Prophylaxebedarf. Prophylaxe ist in allen Altersklassen sinnvoll. Gerade darüber ist der allgemeine Informationsgrad sehr niedrig. Beispiele: Prophylaxe kann der Vermeidung der Infektion mit Karieserregern dienen. Dies ist gerade in den ersten Lebensjahren von großer Bedeutung. Der Schutz von Zähnen vor Karies und – gelegentlich vergessen – von Zahnfleisch sind anerkanntermaßen die wichtigsten Ziele im jungen und mittleren Lebensalter. Aber schon die Vermeidung von Schäden durch alternsbedingte Veränderungen, durch die Einnahme verschiedener Medikamente oder durch nicht mehr voll funktionsfähigen Zahnersatz, die ja meist im fortgeschrittenen Alter an Bedeutung gewinnen, wird nur sehr unzureichend betrieben.

3. Die meisten Schäden an Zähnen und Zahnfleisch werden durch Bakterien verursacht. Durch häusliche Maßnahmen gelingt es so gut wie nie, diese Bakterien ausreichend zu entfernen. Selbst bei hervorragender Putztechnik und bei Verwendung verschiedenster Hilfsmittel ist kein Patient in der Lage, den Erfolg selbst zu kontrollieren. Und noch etwas: überdurchschnittlich lange Putzdauer trägt nicht zu einer Verbesserung der Ergebnisse bei!

4. Die Karies selbst wird in ihrer Entstehung von sehr vielen Faktoren beeinflusst. Dabei ist die Mundhygiene ein bekanntermaßen wichtiger Faktor, aber bei Weitem nicht der einzige. Von den Punkten, die die Kariesbildung beeinflussen, sind einige den meisten Menschen nicht bekannt und viele durch niemanden selbst zu kontrollieren. Die Kontrolle dieser Risikofaktoren ist ein zentrales Anliegen der Prophylaxe. Sie ist in jedem Lebensabschnitt wichtig, da durch sie zielgerichtet die Ausbreitung der Karies eingedämmt werden kann. Die Erfassung der Risikofaktoren ist Aufgabe des professionellen Teams.

5. Zahnfleischrückgang geht meist einher mit Verlust des Kieferknochens, in dem die Zähne verankert sind. Einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit des Zahnfleischs haben Bakterien, die in der Zahnfleischtasche leben, die an jedem Zahn ausgebildet ist. Diese Bakterien sind der Zahnbürste nicht zugänglich. Die Vermeidung der Zahnfleischschäden ist verbunden mit der Beseitigung der Keime. Wichtig: Dies geht nur durch regelmäßige Entfernung von Zahnstein und Bakterien. Die größte Effektivität hat dabei die Regelmäßigkeit, die aber nur dadurch erreicht werden kann, dass man sie zeitlich festlegt. Aus diesem Grunde bieten viele Praxen ein sogenanntes Recall an, das Patienten an den nächsten Termin erinnert.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass aus nicht nachvollziehbaren Gründen mit Wirkung vom 1.1.2004 von den gesetzlichen Krankenkassen die Entfernung von Zahnstein nur noch einmal pro Jahr bezahlt wird. Dies wiederspricht völlig den oben beschriebenen Argumenten zur Prophylaxe. Deshalb: auch wenn die Entfernung des Zahnsteines kein Vergnügen ist, sollten die darauf achten, dass dieser mindestens zweimal pro Jahr entfernt wird. Dies ist eine der Prophylaxemaßnahmen, die nicht fehlen darf! Und: sie stellt das absolute Minimum, aber bei Weitem nicht das Optimum der Vorbeugung dar. Lassen Sie sich über weitergehende Vorbeugung bei uns beraten!

6. Zuletzt noch ein Punkt, der all das oben genannte immer wieder bestätigt: ein Nachlassen der Prophylaxebemühungen verschlechtert fast unweigerlich die Befunde. Speziell die Kariesausbildung kann nur eingedämmt werden, da sie von sehr vielen Faktoren abhängt. Wichtigstes Fazit: Lassen Sie nicht nach! Bei bereits entstandenen Schäden sind die Suche nach den Ursachen und die Optimierung der Bemühungen zur Vermeidung extrem wichtig! Jeder Mensch benötigt ein individuelles Prophylaxekonzept, das seinen Bedürfnissen gerecht wird!

Unsere Praxis bemüht sich seit Jahren, allen Patienten den Prophylaxegedanken nahe zu bringen. Erlauben Sie uns, Sie zu diesem Punkt anzusprechen. Wir beraten Sie gerne. Seien Sie bereit zum Umdenken.

Ihr Praxisteam Dr. Dr. Greese und Dr. Büttner

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